Christiana Segner (1727-1816)

Unsere selige Schwester Christina Segner geborne Frey hat folgende kurze Nachricht von ihrem Gang durch diese Zeit hinterlaßen.

Ich bin geboren den 5ten Merz 1727 zu Friedrichtown {(in Montgomery County in Pensylvanien)} .  Meine Eltern waren William Frey und Verona geb. Levering.  Ich wohnte bey <meinen Eltern> {(ihnen)}  bis in mein zwangzigstes Jahr, da wurde ich auf einmal sehr bekümmert um meine Seligkeit, und kriegte ein sehr starkes Verlangen nach der h. Taufe die ich als Kind nicht empfangen hatte.  Der Spruch: Wer da gläubet und getauft wird, der soll selig werden.  Wer aber nicht glaubet, der wird verdammt werden, fiel mir sehr nachdrücklich aufs Herz.  Ich sagte dieses meinen Eltern, und bat sie; sie möchten mir doch erlauben zur Brüdergemeine nach Bethlehem zu gehen, sie wolten mich aber nicht gehen laßen; ich aber hielt mit Bitten an, endlich sagten sie: wenn du gehest, so wollen wir mitgehen; sie erklärten dieses dem Br. Joseph Spangenberg, welcher uns um diese Zeit besuchte.

Seine Antwort war: “Ihr müßt es auch gut überlegen, ob ihr es auch bey der Gemeine aushalten werdet, denn ihr seyd gewohnt hier auf eurem Plaz sehr gut zu leben, daß könt ihr für die Zeit bey der Gemeine nicht thun, denn da haben wir oft sehr geringe Kost, aber wenn ihr Lust habt so könnt ihrs probieren.”

Meine Eltern ließen sich dadurch nicht abschrecken, und so kamen wir alle, meine Eltern, meine 2 Schwestern, und ich im Jahr /// 1747 zur Gemeine nach Bethlehem.  Meine 2 Brüder waren schon zuvor hier.  Bald darauf am ersten Gemeintag hatte ich die Gnade in den Tod Jesu getauft zu werden.  Die Freude, und das einige Wohlseyn meines Herzens kan ich nicht beschreiben; <ich> Im Jahr 1748 gelangte ich mit der Gemeine zum Genuß des h. Abendmahls.  Ich war sehr vergnügt im ledigen Schwestern Chor, ich liebte und wurde wieder geliebt.  Allein dieses währte nicht lange so wurde ich in diesem Vergnügen gestört, denn meine Eltern gingen wieder von der Gemeine.  Es kam nemlich ein gewisser Mensch namens Frey von Deutschland, welcher sehr gegen die Brüdergemeine eingenomen war, durch die Schriften, die gegen dieselbe geschrieben wurden, es gelang ihm auch gar bald meine Eltern zu überreden, die Gemeine wieder zu verlassen, sie wolten auch mich bereden wieder in die Welt zurück zu gehen, allein ich wuste zu gut was ich am Hld. und der Gemeine hatte.  Im Jahr 1748 geschahe der Antrag am mich mit dem ledigen Bruder Johann Heinrich Segner in die Ehe zu treten, dieses kam mir sehr unerwartet und ich konte mich zu dieser Veränderung sehr schwer entschließen, da ich mirs aber gründlich überlegte, was ich dem Heiland bey meinem Eintritt in die Gemeine, und bey meiner Taufe versprochen, so konte ich nicht nein dazu sagen, und da mein Vater um diese Zeit kam, und mich von der Gemeine holen wolte, <ich> konte ich ihm mit Freudigkeit sagen, daß ich dieselbe nie mehr verlassen würde.  Wir wurden im Febr. 1748 getraut.  Im Jahr 1750 erhielten wir einen Ruf zum /// zum Dienst der Negergemeine in St. Thomas, woselbst wir 3 Jahre verblieben.  Als wir 1753 wieder zurück kamen, zogen wir nach Nazareth, und darauf nach Gnadenthal, woselbst wir in der Oeconomie dienten, darauf zogen wir wieder nach Bethlehem.  Hier wurde ich den 6ten November 1763 durch den sehr schnellen und unerwarteten Heimgang meines lieben Mannes in den Wittwenstand versetzt.  Unsre Ehe war mit 2 Söhnen und 2 Töchtern gesegnet, davon 2 Söhne und Eine Tochter Heimgegangen sind, eine Tochter befindet sich noch am Leben, und wohnt im Schwesternhaus in Nazareth.  So weit sie selbst.

Als im Jahr 1769 das neue Chorhaus der Wittwen, bezogen wurde war sie eine von den ersten Einwohnerinnen desselben, ob sie gleich noch viele Jahre, so lang es ihre Kräfte erlaubten sich willig finden ließ in den Familien beym Wart{en}  kleiner Kinder zu dienen, wozu sie besondere Gaben und Geschicklichkeit hatte, auch wurde sie wegen ihres stillen friedsamen Wesens von den Geschwistern in deren Dienst sie war geschäzt und geliebt, überhaupt war sie von einer ausserordentlich gelassen, stillen und friedsamen Art, und wurde deswegen von allen ihren Chorverwandten geehrt und geschäzt.  So wenig Worte sie auch zu machen pflegte, so bezeugte sie doch oft mit viler Heiterkeit das Wohlseyn ihres Herzens, und wie wohl ihr im Umgang mit dem Hld. sey, den sie, seit sie Ihn als den Versöhner /// ihrer Sünden kennen gelernt, mit einfältigem und gläubigem Herzen zärtlich liebte, und sich in allen Umständen ohne Zweifel, und mit getrostem Muthe an Ihn hielt.

Sie genoß bis in ihr hohes Alter, einer guten Gesundheit worüber sie sich schon vor einigen Jahren einmal sehr lebhaft und dankbar gegen den Hld äußerte.  Seit einigen Jahren merkte man eine starke Abnahme ihres Gesichts und Gehörs, wodurch sie aber niemanden beschwerlich fiel, sondern sich, solange sie nur einigermassen konte, selber zu helfen suchte.  Sie hatte verschiedene Schlagartige Zufälle, wovon sie sich aber jedesmal bald wieder erholte, so weit es nemlich ihr hohes Alter und die damit verbundene Schwächen erlaubte.  Vor einigen Wochen wurde sie aber von <einige> einer starken Engigkeit befallen, wobey sie und wir gewiß glaubten, der Heiland würde sie nun vollenden, da es sich aber nach dem Gebrauch dienlicher Mittel zu bessern schien, sagte sie ganz vernünftig zu einer Schwester: Ach wenn ich nur wüßte warum mich mein l. Heiland noch nicht zu sich nehmen will.  Sie wurde liebreich getröstet, daß Er gewiß bald kommen, und Sein müdes nach Ihm schon so lange sich sehnendes Schäflein nach Hause holen würde, worauf sie recht heiter wurde.  Montag den 5ten dieses überfiel sie abermals eine starke Beklemung, und man sahe deutlich, daß der von ihr so sehnlich gewünschte Moment nun wol bald eintreten würde, und sie empfing unter einem seligen Gefühl der nahen Gegenwart Jesu den Segen zu ihrer Heimfahrt, und den 6ten früh in der 5ten Stunde ging ihre erlöste Seele über in Jesu Arm uns Schoß.  Ihr Alter hat sie gebracht auf 89 Jahr, weniger 28 Tage.

 

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