Juliana Horsfield (1737-1809)

Unsre l. sel: Schw: Juliana Horsfield geb. Parsons
hat folgendes wenige von ihrem Lebens-Gange
aufgeschrieben:

Ich war geb: 1737. den 19t Nov: zu Phild–
Meine l. Eltern gehörten zur Lutherischen Kirche.
Meine l. Mutter welche aus Deutschland in Sachsen {in Deutschland}
gebürtigt war, hatte eine gute u. Christliche erziehung {gehabt.}
Meine l. Eltern lebten sehr vergnügt beysammen, bis
meine l. Mutter um ihre Seeligkeit verlegen u. be-
kümmert wurde, u. es meinem Vater klagte, welcher ihr aber
sagte:  Es wäre nur ein Melancholie, welche sie nicht
in sich nähren solle, dann würde sie bald wieder vergehn.
Er fühlte öfters ebenso<,>.  <a>Aber das war kein Trost für sie;
Zu derselben Zeit fingen die Brr. an in Phild zu predigen,
da schickte meine l. Mutter uns Kinder in die Versamm-
lungen, welche sie für die Kinder hielten, u. die Seegen
die ich in denen{selben}  für mein Herz genoß, werden mir immer
unvergeßlich bleiben.  In der Zeit starb auch meine aelteste
Schw. u. mein einziger Brr, beyde sehr seelig.
Mein Vater war ein großer Feind der Brüder, dahero
warnte Er ofte meine Mutter, sich nicht mit Ihnen einzu-
laßen sonst könnte Er nicht mehr mit Ihr Haushalten
///  könnte u. wie {als}  Er überzeugt war daß meine Mutter nebst
ihren Kindern Mitglieder der Br: Gem: werden wolt{en}
So trennete Er sich von Ihr, u. zog mit mir u. meiner
Schw: weit ins Land, {an der Swatara}  wo Er sich ein{en}  Landsitz gekauft
hatte, u. übergab uns einer Person von schlechtem
Charakter zur Aufsicht;  Das war eine schwere Prüfung
für mich, da ich erst 8 Jahr alt war, u. hier an einem
fremden Platz, der gänzlichen Pflege einer zärtlichen
Mutter entrißen;  ja ich möchte sagen, auch ganz ohne
Vater {war} ; denn mein Vater war general-Land-meßer
u. mußte ofte in die entlegensten Gegenden {Pensylvaniens}  gehen
dahero ich {mich}  durch dieses Geschäfte ofte lange von Ihm
getrennt wurde {sahen} ; u. wir waren fremden Leuten über-
laßen von unter denen ich den Namen Gottes nie
anders als zum Mißbrauch nennen hörte, welches höchst
unangenehm für mich war.  Mein Vater hatte die
Bibel immer zur Hand in seinem Hauße (weil Er ein
Friedens-Richter war) in dieser las ich fleißig zum
Trost u. Seegen für mein armes Herz, das war auch
die einzige weide, die ich in den 4 Jahren meines
aufenthaltes {hier}  {an gedachtem Orte}  für daselbe hatte–denn ich fand nie  ///  Gelegenheit eine Englische Predigt zu hören, u. von {der}
d{D} eutscher{n}  Sprache verstand ich nur wenig.  Bey dieser
Gelegenheit führte mir mein l. Hld: öfters zu Gemüthe
was ich in den Kinder Stunden {in Philad.}  hörte, u. diese Worte
die ich {mir}  da von Seiner l. {Liebe}  zu den Kindern hörte {gesagt wurden}  ließen
einen bleibenden Eindruck auf mein ganzes leben
zurück, denn Sein guter hl. {heilger}  Geist hat mich nie ganz
verlaßen, u. Seinen wiederholten Warnungen habe
ich es zu verdancken, {daß}  wenn mich mein böses und verdorb-
nes Herz zu schlechten Dingen verführen wolte, von
denen ich wußte das sie meinen Heiland betrübten {u. doch nicht dazu kam} .
Seine u. {auch}  meiner l. Mutter Christlichen Ermahnungen
schwebten mir stets vor mein{em}  Gemüthe; u. bewahrten
mich vorsetzlich zu sündigen.  Ob ich gleich noch ein Kind
war, daß{s}  einer{s}  Mütterlichen {Unterrichts}  u. {treuer}  Pflege sehr bedurfte;
so konnte ich doch um den Heiland weinen u. Ihm kindlich
alle meine Noth klagen; u. ich war {auch}  jederzeit gewiß,
daß Er mich erhören würde, denn daß die Kinder Sein
besonders Objeckt sind, {das}  habe ich auf manche Weise erfahren;
und denck ich zurückke an meine Kinder Jahre, so schükke
ich noch vielen, vielen, warmen Dank zum Hld: für /// {die}  unzähligen Bewahrungen in oft augenscheinlichen
Gefahren und verschiednen (Scenen) {Auftritten}  meines Lebens,
welche mir unvergeßlich bleiben werden.
Im 13t Jahr brachte mich mein Vater wieder zu meinen Freunden nach Phild, wo ich zwey Jahre bey meiner Schw: wohnte, welche in der Zeit heimging
u. deren erbauliches Ende einen bleibenden Eindruck
bey mir hinterlies;  und ihre {lezten}  Worte die sie sagte<;>
{waren} :  “Ich war eins der größten Sünder; aber ich bin durch
gewiß, daß auch ich theuer erkauft bin, mit dem
Blute Jesu Christi, u. daß Er alle meine Sünden mit
demselben weggewaschen hat, u. mich jezt in Seine
ewige Freude aufnehmen wird; ich folge {nun}  Seinem
Ruf.  Diese Worte brachten mich in tiefes Nachden-
ken, ob ich nicht auch zu demselben Beruf hälte? daß ich mein Herz meinem Hld: ganz geben u. nur
vor {für}  Ihn in dieser Welt leben solte?  So {Doch}  verbrachte
ich {noch}  verschiedne Jahre in steter unentschloßenheit, wel-
chen Weg ich wählen solte?  ob ich mich ganz dem
{Hld oder den}  Vergnügungen der Welt ergeben solte? /// aber bey dem {leztem}  Gedancken überfiel mich immer eine ge-
wiße Bangigkeit, die ich nicht zu nennen wußte;
in dieser Verlegenheit flehete ich ofte sehr ernstlich
zum Herrn, daß Er mich doch wieder zu meiner l.
Mutter bringen sollte {möchte} , u. versprach Ihm mit kindlichem
Sinn ein recht gutes Kind zu seyn, wenn Er mich zu gu-
ten Leuten bringen wolte; welches Gebet Er auch
nicht verschmähte u. mich nach manchen schweren Prü-
fungen (zur guten Zeit) zur Gem: nach Bethlehem
brachte, die damals von Außen arm und verachtet
aber von Innen mit Liebe und Einigkeit gesegnet {war.}
gewesen ist  das war im Jahr 1758.
Meine l. Mutter u. ich hatten {nun}  die unaussprechliche
Freude zu hören daß mein l. Vater als ein Busfer-
tiger Sünder sehr seelig diese Welt verlaßen hatte;
Er ließ ihr {der Mutter}  noch sagen: daß es ihm leid wäre {sey}  sie
nicht mehr sehn zu können, aber ihr Heiland wäre {sey}  auch
der seinige.  Er hätte Ihm alle seine Sünden vergeben,
u. er hoffte sie würde ihm ebenfalls auch alles vergeben.
Ihr Schwieger Sohn, Brr: Jacob Rogers, welcher hier in Bethlm
war, hat seine Leichen Rede gehalten.
So weit die sel. Schw: selbst. ///

1757 wurde sie {unsre selige Schwester}  in Philadelphia getauft u. 1759
genoß sie zum erstenmal das Hl: Abendmal mit
der Gem: in Bethlehem; Sie wohnte {hier}  geraume
Zeit bey den Kindern.
1766 im Oct: trat sie mit dem led: Br: Timothy
Horsfield in die Ehe, welche mit 3 Söhnen gesegnet
wurde davon ihr ein Sohn (u. eine Enkel Tochter, deren
sie 3 von ihrem Sohn Wilhelm erlebt hatte) in die
Ewigkeit vorangegangen.  Es lag ihr besonders an
ihre Kinder vor {für}  den Hld: zu erziehen, welches Geschäfte
ihr auch ihr sel: Mann gerne überließ, weil sie vorzüg-
liche Gaben dazu hatte; denn ihrer Kinder gedeihen war
ein Haupt Objekt ihres Gebets u. {ihrer}  Mütterlichen Fürsorge.
1789 wurde sie Witwe; das war sehr schmwerzlich für sie,
denn sie verlor einen Zärtlichen u. allgemein gelieb-
ten Gatten.  Sie wohnte {nun}  noch etliche Jahre in ihrem
Hauße im Ort, bis sie 1797. ins Witwen
Haus zog;  hier lebte {wollte sie}  ihre Ruhe in der stillen Einsam-
keit zu genießen, u. war vest entschloßen in dem Hause /// ihre Lebens-Tage zu beschließen., {O} ob sie gleich manches {hier}
nicht hier so fand wie sie es wünschte; so lernte sie sich
doch nach u. nach in alles ihr unangenehme mit gelaßenheit
sich geschickken u. pflegte öfters zu sagen:  Ich kenne meine
Fehler u. Schwachheiten; wir müßen eben Geduld mit-
einander haben, so wie es der l. Heiland mit mir und uns
allen hat.  Sie war durch die Gnade die sie von Kindheit an <…> {vom Heiland}
von {als}  ihrem treusten Freunde erfahren, gleich wieder auf die
rechte Spur gebracht, u. konnte wenn sie jemand durch überedung
beleidigt zu haben glaubte, recht Sünderhaft um Verge-
bung bitten.  Ueber ihren Beruf u. Erwählung zur {Brüder}  Gem.
erklärte sie sich oft sehr erbaulich, u. konte noch in den
lezten Tagen ihres lebens die Wundervolle Führung des
Hlds mit ihr nicht danckbar genug erwähnen erkennen.
Mann kann von ihr sagen, sie hatte eine Schwache Leibes-höhle.
Aber eine desto stärckere Seele–
Seit einem Jahr nahmen ihre Kräfte mercklich ab; vor
8 Tagen befiel sie ein Brust-Fieber, sie klagte aber
über nichts, als Schwäche, es war ihr nicht ausgemacht
ob sie bey der Gelegenheit heimgehen würde, {sie}  war aber
doch sehr froh daß sie ihr l. Sohn Wilhelm u. ihre l. /// Schwieger Tochter von Emmaus besuchten, u. letztere
blieb bis an ihr sel: Ende bey ihr, welches ihr besonders
Angenehm war; mit ihrem Sohn brachte sie ihre äußerlichen
Angelegenheit{en}  in richtigkeit, u. sagte: Nun bin ich fertig
mit der Welt u. frey von allem. [1]*
u Zu einer ihr sie besuchenden Schw: sagte sie: Hier liege
ich wie ein Kind in der Wiege, u. warte zu sehen wie
es der l. Hld: mit mir macht, denn in Seinen Willen
bin ich ganz ergeben.
Am 17t Vormittags gegen 11 Uhr nahete sich v{f} ast
unvermerckt ihr lezter Moment, u. sie entschlief unter
dem Seegen der Gem: u. ihres Chores sanft u. seelig
in einem Alter von 72 Jahr {u.}  2 Monat weniger
2 Tage.


[1]* Ihrem{en}  Sohn Thomas welcher schon viele Jahre abwesend von ihr war,
hatte sie oft in Mütterlicher liebe gedacht, u. ob sie wol oft wünsch-
te Ihn in diesem Leben noch zu sehen, so tröstete sie sich mit der
Hoffnung, daß wenn es auch hier nicht mehr geschehen würde; {könnte,}  sie
Ihn doch einst vor dem Thron Gottes wieder sehen würde. Zu einer

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