Maria Agnes Meyer (1714-1795)

Unsre sel. Schwester Maria Agnes Meyer

hat folgendes von ihrem Lebenslauf hinterlaßen:

Ich bin geboren 1714 d. 8. Aug. zu Ober-Jet-

tingen im Würtenberger Land.  Meine Eltern

Joseph u. Maria Agnes Meyer haben mich sorg-

fältig vor den lieben Gott erzogen.  Da ich 15 Jahr

alt war kam ich in die Fremde, und diente in

Nagolt bey 16 Jahr.  Ich war von Jugend auf {wegen der Seligkeit}

oft unruhig. über mich, und suchte ein from-

es Leben zu führen; oft betete ich auf

meinen Knien im Felde zu Gott, daß Er

sich meiner erbarmen wolle, damit ich nicht

verlohren gehen möchte.  In meinem 14ten

Jahr ging ich zum erstenmal zum heil. Abend-

mahl;  der HErr Pfarrer betete über uns 14

Kinder mit Gottes Kraft, und segnete uns

mit Handauflegung ein.  Was ich damals

gefühlt, habe ich nie wieder vergeßen; mein

Herz stand in einem zärtlichen Umgang

mit Gott 2 Jahre lang.  Da ich aber nachher

in die Stadt zog, so suchte mich die Welt /// und ich kriegte sie lieb und vergnügte mich

mit ihr, aber allemal bekam ich eine Angst in

meinem Herzen.  Einmal da ich mich recht lustig

machte, fühlte ich eine solche Unruhe und Ver-

legenheit, daß ich ganz laut weinte, und auf

meinen Knien im Felde zu Gott betete, daß

Er sich meiner wieder erbarmen möchte, weil

ich sahe daß mein Herz von Ihm abgekommen.

Ich machte {da}  einen neuen Bund mit Ihm, von

nun an der Welt und allen wieder abzusagen.

{Und}   Da ich mein Sündenelend so recht fühlte, wur-

de mir auf einmal klar, daß der Heiland

am Kreuz alle meine Sünden abgebüßt,

und auch mir erworben, davon frey gemacht

zu werden.  Ich kam darauf wieder 4 Jahr

zu meiner Mutter, wo ich in der Stille blieb.

Nachdem ich wieder in die Stadt zog, hörte ich

von den Brüdern, und weil {Meister}  Stotteln ein

Bruder war, und bey ihm sich die aus der

Gemeine besuchenden Geschwister immer /// aufhielten, so hielt ich bey ihm um Dienste

an, und er nahm mich ins Hauß.  Endlich

kamen Geschw. Langens von der Gemeine

und logirten bey {Br}  Stotteln wo ich im Hause diente.

Mein Herz wurde mit angefaßt, und da ich von

der Gemeine auf dem Herrnhaag hörte, fühlte

ich einen Trieb dieselbe zu besuchen, und reiste

1750 im Febr. dahin ab.  Der Heiland kam mir {da}

so kräftig ans Herz, daß es mir unmöglich

war wieder zurück zu gehen.  Ich erhielt auch

Erlaubniß bey der Gemeine zu bleiben, wo ich

im Gemein-logie und auch bey Familien diente.

In der ersten Litaney {die ich hörte}  nahm der Heiland

mein Herz so ganz ein, daß ich mich Ihm

und Seiner Gemeine auf ewig ergab, nur

Seine zu seyn, und dieses hat Er mir aus

Gnaden erhalten bis diesen Augenblick.

d. 30 Aug 1750 wurde ich in die Gemeine auf-

genommen, und 1751 d. 31ten Aug hatte ich

die Gnade zum erstenmal mit der Gemei-

ne zum h. Abendmahl zu gehen, bey welcher /// Gelegenheit ich mich dem l. Heiland wieder

ganz aufs neue mit Leib und Seele hingab.

1752 im July reiste ich mit noch mehr ledigen Schwe-

stern über Holland und England nach Pensylva-

nien, und kamen am 25ten Nov.  {Vorher hatten wir i}  In Westmün-

ster hatten wir ein Chorabendmahl, welches

der sel. Jünger hielt, {und}  die Jüngerin segnete uns

mit Handauflegnung dazu ein.  Den Tag und

dieses Abendmahl werde ich in meinem Le-

ben nicht vergeßen, was mein Herz dabey

gefühlt und genoßen hat.  d. 29ten Sept reisten

wir von London ab, und kamen am 25ten Nov.

hier in Bethlehem an.  Es war just Gemein-

Abendmahl, bey welchem ich den l. Heiland

unter tausend Thränen gebeten, daß Er mich

auch hier selig als ein{e}  armes Sünderlein{in}  bey

Seinen Wunden erhalten, und mich vor allen

Abweichungen bewahren wolle.  Das hat Er

auch gethan, und ich traue es Ihm zu, daß

Er es thun wird, bis ich Seine Wunden leib-

lich küßen kan.  Den ersten Winter /// verbrachte ich im Chorhause recht vergnügt.

Im Frühjahr darauf kam ich in die Farm; wo

ich etwa 2 Jahr gewesen, nachher kam ich zu den

kleinen Knäbgen in die Nurserie, und zog 1755

im May mit ihnen nach Nazareth, und war

bey ihnen, bis verheyrathete Geschwister die

Nurserie übernahmen.  Ich kam darauf wieder

nach Bethlehem und zwar zur Schw. Russmeyer

ihren Kindern, bey welchen ich 18 Monat blieb,

und nachdem ich sie abgegeben, wieder ins Chor-

hauß zog.  1759 kam ich zu Geschw. Horsefields

in Dienste, und bin 14 Jahr bey ihnen gewesen,

bis sie Beyde zum Heiland gegangen waren.

(In der Zeit hat mir der Heiland besonders

durchgeholfen, und habe mich in allen Um-

ständen kindlich an Ihn gehalten).  Seine

Nähe und Trost habe ich unbeschreiblich ge-

fühlt, besonders in meinem Gebetsstunden.

Jezt halte ich meinen Sabbath, und dancke

dem Heiland, daß ich in meinem Chorhause

bin.  Eines hat mich durchgebracht, Lämmlein /// daß Du bist geschlacht’t.  Was der Hld. an.

mir Seinem armen Creatürlein gethan hat,

das bleibt zwischen Ihm und mir, und ich

werde Ihm davor dancken, wenn ich einmal

die Gnade haben werde Ihn zu sehen, und ewig

bey Ihm zu seyn.

So weit sie selbst.

Wir müßen unsrer sel. Schwester das Zeug-

niß geben, daß sie ein zärtliches und danck-

bares Herz gegen den l. Heiland hatte.  Es war

ihr die größte Gnade im Chorhauße zu wohnen,

und die schönen Gottes-Dienste mit der Ge-

meine und ihrem Chore zu genießen, welche

sie auch nie ohne die größte Noth versäumte.

Ihr theilnehmendes Herz an dem ganzen

Wercke des HErrn, äußerte sich oft gar lieblich,

sie pflegte öfters zu sagen: Ich kan nichts

thun als beten und weinen, und ich weiß der

l. Heiland fordert auch nicht mehr von mir.

Ihre größte Seligkeit bestund in dem täglichen

Umgang mit dem Freund ihrer Seele, ohne /// den sagte sie, kann ich keine Stunde leben.  Und

das bewieß sich auch so bis an ihr Ende.

Diesen Sommer durch hatte sie oft große Be-

klemmung auf der Brust, welches ihr zuweilen

Hoffnung machte, daß der l. Heiland sie balde

einmal geschwind zu sich nehmen würde.  Wenn

es ihr manchmal zu lange werden und die

Ungedult kommen wollte, so klagte sie, daß

sie undanckbar wäre, der l. Hld. habe ihr

jederzeit gute Gesundheit verliehen, warum

solte ich das bisgen nicht ausstehen, da Er ja

vielmehr für mich ausgestanden hat.  Und

so verbrachte sie ihre Zeit in beständiger

Sehnsucht nach Ihm.  d. 11ten Dec. bezog sie

die Krankenstube, und hatte die lezten Tage

noch viel aus zustehen.  d. 13ten bekam sie

noch ihren Antheil am h. Abendmahl, worü-

ber sie ausnehmend vergnügt war u. sagte:

ich habe es schwer, aber der l. Heiland ist

mir nahe und hilft mirs ertragen.  Am

14ten früh um halb 8 Uhr trat {kam}  ihr und uns /// unvermuthet der selige Moment, (bey Gelegen-

heit eines Steckflußes ein da ihre Seele) in

die Arme ihres Erlösers überging, unter dem

Segen der Gemeine und ihres Chores.

Sie hat ihr Alter gebracht auf 81 Jahr 5 Monat

und 4 Tage.

 

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