Mariane Höht (1737-1772)

Personalia <se> der selig heimgegangenen

Schw. Mariana Hötin

 

Unsere sel. Schw Mariana Hötin, hat folgendes von ihrem

lauf durch diese Zeit aufzeichnen laßen, ich bin geb. 1737

d. 24 Mey im Zweybrückischen in der Stadt lichtenberg, wo selbst

mein Vater Bürger u. Becker Meister war, 1748 kam

ich mit meinen l. Eltern hieher nach America u Zwar nach

Philadephia, wo wir bald mit geschwister aus der Gem. erkant

wurden, mein l. Vater welchem das heil seiner Kinder sehr

am Herzen lag: schickte uns auch balde zu den Br. in die

Schule, ich grigte balde eine liebe zu den Geschwistern, u. hörte

gerne wenn sie mir etwas von dem Hld sagten, es war auch

nicht ohne Segen für mein Herze, ich bat den lieben Heiland

ofte mit Thränen, Er solte sich über mich Erbarmen, u

mich sel. machen, die lust zur Welt nahm aber auch zu bey

mir, ich suchte mich ofte darinnen zu vergnügen, doch allemal

mit uhnruhe meines Herzens, weill nun mein l. Vater

welcher sehr gesezlich war verlegen wurde, wir möchten zu tief

in die Welt geraten, so Resolvirte Er aus Philadelphia

über die Blauen Berge zu Ziehn, da grigten wir sehr

ofte besuch von den Brüdern ihre unterredungen mit uns

war auch mir zum segen, ich lernte mein verdorbenes Herz

kennen, u fühlte daß mir der Heiland fehlte, daß ich mich

müste bekehren u Gnade erlangen müste, sonst würde ich ver-

lohren gehn, ich glaubte auch es würde nichts aus mir bis

ich zu der Gem kämme, ich sagte es auch ofte meinen Eltern

u bat sie daß sie mir doch solten erlauben einen besuch

in Bethl. zu thun, sie versprachen es mir auch, ich reißte

auch mit meiner l. Mutter 1755 im Nov. auf einen besuch

nach Bethl. es gefiel mir sehr güt , ich wünschte nur daß ich gleich dableiben könte, ich bat auch mit bewilligung meiner l.

Mutter darum, ich grigte auch erlaubniß, so bald als meine

Mutter welche ihre Niederkunft bald erwartete, mich würde

entberen kennen *[=können], solte ich kommen, daß war eine große freude

für mich, so bald wir wieder zu hause gekommen, hörten wir ///

 

daß Indianer Krieg werden würde, da erschrack ich gar sehr

und bat meinen Vater gar sehr ofte er solte doch zu den

Brüder flüchten, er sagte aber Nein.  er würde nicht flüchten

den er hätte den Indianern nichts böses sondern vielmehr

gutes gethan, er glaubte also nicht daß sie uns was thun

würden, er seze sein Vertrauen auf den l. Gott, der

würde ihm u. seinen Kindern schon helfen, ich muste

mich also darein ergeben, ich war aber in beständiger

furcht weill sie nicht weit von unserm Haus waren

wenn ich des abends das Vieh holte so sahe ich sie ganz nahe

beym hause.  nach 3 Wochen hörten wir daß die Mahone

von den Indianern verbrant worden u viele von den

Geschwistern mit in der Flamme umgekommen, u daß sie

auch welche ermort hätten, da sagte ich zu meinem Vater

ist es den Geschwistern so gegangen, u hat daß der

l Gott zu gelaßen, so wird es uns nicht beßer gehn

ich bath ihn auch noch einmal er solte doch flüchten er

wolte aber doch nicht, weill ich nun sahe daß nichts bey

meinem Vater zu thun war, so gab ich mich wohl zu

frieden doch nicht ohne furcht, ich dachte nicht ans ge-

fangen nehmen, sondern ich furchte mich vor dem um-

bringen, in sonderheit weill ich meiner Seligkeit nicht

versichert war, 14 Tage nach dem die Mahone abgebrant

abends da wir zu Tische saßen, kamen sie auch und

schoßen, mein Vater dachte nicht daß es bey uns wäre

sondern Er wolte raus gehn und sehn was u wo es wär

da er unter die Haus Thüre kam, fiel er ihnen in die

Hände, sie ermorteten ihn so gleich, meine Mutter u

wir Kinder sprangen zur hinter Thüre naus meine

Mutter Sprang ins Wasser u wurde erschoßen, u

meine jüngste Schw. wurde auch gleich umgebracht mich

u 2 Schwestern nahmen sie gefangen mit sich fort

wie mir da zu Muthe gewesen erst meine l. Eltern

auf solche Art zu verliehren u mich unter den

Wilden unbendigen Indianern zu sehn läßt sich ///

 

nicht beschreiben, ich wuste nicht wie mir geschahe, ich muste

also mit ihnen fort, es mochte Wetter seyn was vor

welches es wolte, da war keine Barmherzigkeit, den

sie suchten uns zu Plagen wo sie nur konten, wie wir

ein par Tage gereißt waren, traf ich die Susanna

Nitschmanin die sehr übelbehandelt wurde, u in

großer Noth u Verlegenheit war an, daß war ein

Schmerzhafter Anblick für mich, ich diente ihr so gut ich

konte, u war ihr ofte zum Trost sie brachten uns nach

einer Schweren Reise nach Diuoigo, wo die Susanna

umgebracht wurde u ich u meine 2 Schwestern wurden

auch von einander getrent, daß war auch wieder ein

großer Schmerz für mich, ich kam zu dem Indianer der

die Susanna gefangen genommen und ermordt hat; er war

ein sehr wilder u Böser Indianer, ich hatte harte Zeit bey

ihm, ich grigte nichts zu Eßen gaben mir andere waß

u Er sahe es so nahm er mirs weg, ich muste auch der Susanna

ihre Kleider Vernehn, welches auch sehr Schmerzl. für mich

war.  weill nun viele von den Indianern mitleiden mit

mir hatten, so nahmen sie mich da weg insonderheit weill

er sehr liederlich war, sie übergaben mich einer alten

Mutter als ihr Kind, daß geschahe sehr Solen, ingegenwart

vieler Indianer, ihr Sohn nahm mich auch zur Schwester

an, da hatte ichs nach Indianer art gut, die alte Mutter

machte es so schön mit mir, als ob ich ihr leibliches Kind

wäre.  o wie gut hat es mir gethan, daß ich ein wenig

ruhe grigte, meine Schw. welche einen Fransosen geheuratet

durft ich auch manchmal im Fort besuchen, weill er sehr

gut mit den Indianern bekant war, und sie ihn lieb

hatten, so durfte ich 3 Monath bey ihnen bleiben, ich dachte

sie würden mich da laßen, welches wohl nicht gut für

mich geweßen wäre, den da war ein solches schlechtes

und Gottloses leben, mein Bruder der Indianer kam

mich ofte besuchen, und wolte mich mit haben, weill die

alte Mutter sehr nach mir verlangte, ich bat ihn aber ///

 

immer er solte mich noch da laßen, einmal aber kam er u

nahm mich mit gewalt mit sich fort, da ich zurück kam

sagten sie mir ich müste einen Indianer nehmen und

ihn heuratten, ich sagte nein, ich wolte nicht, sie sagten

wenn ich nicht wolte so müste ich sonst machten sie mich

Todt.  ich lag 8 tage und Nächte im schnee und allem Wetter

im Busch, und bettet und seuftzete zum lieben Heiland

Er solte mir helfen und rathen was ich thun solte, es

schien mir ganz onmöglich zu seyn, mich dazu zu resolviren

ich dachte ich wolte lieber sterben.  meine alte Mutter

weinte auch sehr, und sagte zu mir ich solte es doch thun

sonst würden sie mich verbrennen und den hätte sie

kein Kind mehr, bey mir war es aber immer Nein,

entlich schlepten sie mich wieder aus dem Busch ins Haus

und sagten nun solte ich verbrent werden, weill ich den

Indianer nicht nehmen wolte, ich lies es darauf ankommen

sie banden mich mit Stricke an einen Jugen Baum an

mein Bruder steckte daß Feuer an, wie es anfing zu

brennen, und mir der Rauch in Halß ging, da resolvirte

ich mich und sagte ich wolte es thun, da machten sie mich

gleich loß, und brachten mich mit großer Freude ins Hauß

zu der alten Mutter, welche sehr froh war mich wieder

zu haben, so muste ich nun einen Indianer zum Mann

nehmen, es ging auch dabey nach Indianer Art Solen zu

es war eine große mahlzeit von vielen Indianern.  er

war ein guter Mensch, er hatte mich sehr lieb, ich hatte

auch einen Sohn mit ihm.  er wünschte mir ofte daß ich

wieder bey den weißen Leuten wäre, er wolte mir auch

behülflich dazu seyn, nur wolte er daß Kind behalten

dazu konte ich mich aber nicht resolvieren, ich hofte aber doch

immer der l. Heiland würde mir bahn machen daß ich

noch einmal loß kommen würde, ich hatte mich doch untter

allen schweren umständen an ihn gehalten, Er hat mir

auch ofte Trost und Muth zugesprochen, die gewiße ///

 

Versicherung war in meinem Herzen, Er würde mich doch

noch zu der Gemeine bringen, weill sich nun der Indianer

ein Haus in Koskoshin baute, so wolte er mich mit dahin

haben, ich wolte aber nicht sondern lieber bey meiner

alten Mutter bleiben, welche näher nach Pizburg zog so

verlies er mich.  worüber ich sehr froh war, ich grigte ofte

von meiner alten Mutter erlaubniß nach dem Fort zu

gehn, den sie dachten weill ich ein Kind hätte so würde ich

nicht davon laufen, ich sahe mich aber imer nach gelegenheit

um um fort zu kommen, es machte sich auch daß die Wagen

welche Mehl unter bedeckung vieler Soltaten nach Pizburg

brachten, mich und mein Kind bis Lenkester mit nahmen

o! wie froh und danckbar war ich wieder Geschwister zu

sehn, da lag ich 3 Wochen sehr kranck, so bald ich aber

wieder beßer wurde so waren mir die Geschwister

behülflich daß ich nach Bethl. kam, o! wie schäm ich mich

noch wenn ich daran dencke mit was liebe und Herzlichkeit

ich mit meinem Kinde bin von den Geschwistern aufgenommen

worden, und wie ich in meiner Schweren Cur die ich ausstehn

muste gewart und gepflegt worden bin, so bald die Cur

vorbey war, gab ich mein Kind in die Norserie, und

ich zog nach Nazareth. zu den Witwen, ich dancke dem

lieben Heiland für alles was Er an mir als Seiner

Elenden durch meine ganze lebens Zeit gethan hat, ich

werde Seine Durchborten Füße Küßen für alles lang-

muth und gedult und viel vergeben.  So weit ihre eigene

Worte.  1760. zog sie nach Naz. sie wurde noch dasselbige

Jahr in die Gem. aufgenommen, und ein mitgenoß am

Leichnam und Blut unsers Herrn, sie war sehr vergnügt

und Danckbar für alle die Gnade die ihr der liebe

Heiland zufließen lies  sie war selig bis ihr der liebe

Heiland ihr Grundverderben auf deckte, und ihr als

einer armen Sünderin ihr Elend zeigte, da verlohr

sich daß wohl seyn sie geriet in eine Melankolie, sie

glaubt sie hatte die Sünde wieder den hel. Geist begangen ///

 

aber auch da sprach ihr der Sünderfreund Trost u Muth

zu  sie konte sich wieder gläubig an Ihn halten, von der

Zeit an, ging sie wieder einen sel. Gang, sie kam 1763.

ins Stundengebet, sie sagte ofte die unterredungen mit

ihrem Freund alleine wären ihr gar was Tröstliches  1765.

kam sie wieder in daß ängstl. wesen, und hatte wieder die

verlegenheit über sich wie daß vorigemal, sie wurde getröstet

und der liebe Heiland bekante sich wieder aufs neue zu ihr.

Er gab ihr wieder aufs *[neue] die Versicherung, daß sie Seine

wäre und daß Er ihr Heiland seyn u bleiben wolte.  Sie

fung seit etlichen Jahren an zu kränckeln, es nahm von

Jahr zu Jahr immer mehr zu daß machte daß sie vorigen

Sommer eine Reise nach Philadelphia tat. um sich bey dem

Docter in die Chur zubegeben, es ließ sich auch zur beßerung

bey ihr an, doch hatte es nicht lange bestand, so daß sie

d: 12. Feb. dieses Jahrs die Krankenstube bezog, sie war

ganz in den Willen des Heilands übergeben, wie Er es mit

ihr machen wolte, doch aber sagte sie wen Er mich zu sich

nehmen wolte wäre es mir daß allerliebste, es war ihr

nichts mehr übrig als dem lieben Heiland für ihre Gnaden-

wahl und daß Er sie zu der Gemeine gebracht zu Dancken

sie hätte es oft und viel versehn sie hätte es auch gar reichl.

erfahren daß Er sie oft und vielmal getröst u zu frieden

gesprochen hätte, ihre Kranckheit mit einer starken geschwulst

an den Beinen nahm von Tag zu Tag zu bis entlich auch

daß starcke Gallen brechen dazu kam sie verlohr auch allen

appetit zum Eßen so daß sie 4 Wochen fast nichts zu sich

nahm als Brod u Wasser  es kam auch noch ein auszehrendes

Fieber dazu, sie sehnte sich gar sehr nach ihrer auflösung

sie wünschte gar sehr ostern beym l. Heiland zu halten ihre

bitte wurde ihr auch gewährt d: 13 Apill morgens in der

8 Stunde entschlief sie mit dem segen ihres Chors u der Gem.

ihr alter hat sie auf 34 Jahr 11. Monath gebracht.

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