Rosina Stoll (1727-1811)

Unsre sel: Schw: Rosina Stoll geb: Rohledern hat ihren Kindern uns folgendes wenige in die Feder von ihrem Lebensgange in die Feder Dictirt.

Ich bin geboren d. 4t Dec: Ano 1727 zu Zauchtenthal in Mähren; meine l. Eltern stammten von den alten Brüdern her, u. suchten ihre Kinder in der Furcht-Gottes zu erziehen.  In meinem 16t Jahr ging ich, da ich um meine Seeligkeit bekümmert war, u. nicht glaubte in meiner Heimath das reine seligmachende Evangelium recht zu hören, aus meiner Mutter Haus heimlich (ohne es ihr zu sagen (mein Vater war schon aus der Zeit gegangen), denn ich fürchtete meine Mutter würdemir hinderlich daran seyn; sie hatte aber nachher harte Gefangenschaft zu leiden weil sie nicht sagen konnte wo ihre Tochter hingegangen wäre.  Meine Haabe ließ ich alle zurück bey anderen Leuten, u. dieselbe wurde hernach von der Obrigkeit weggenommen, Weil mein Weggehnsehr eilends seyn mußte, so nahm ich nur waß ich nothdürftig brauchte mit, u. kam 1742 am Charfreytag mit noch 2 von meinen Cameraden (fast ohne Schue) glücklich in Herrnhuth an, hier lebte ich in großer Armuth recht vergnügt, u. wurde Ano 1744 in die Gem: aufgenommen — u. selbiges Jahr im Dec: <deßelben Jahres> Genoß ich das h. Abendmahl mit derselben Gem: zum erstenmal.

Ano 1748 erhielt ich einen Ruf nach America, u. ich kam nach noch selbiges Jahr in Br. Johan Nitschman, Gesellschaft- /// glücklich in Bethlehem an u. Ano 49 erhielt ich einen Ruf zum Dienst bey Kindern in Nazareth — woselbst ich 8 Jahr verblieb, bis ich Ano wieder zu demselben Dienst nach Bethlehem zog–u. hier Ano 1768 d, 24t Aug, mit dem verwitweten Br: Johan Stoll verheyrathet, <wurde> welche Ehe mit einem Sohn u, einer Tochter gesegnet wurde, davon noch die Tochter am Leben u. an Br: Abraham Hübner verheyrathet ist–u. von welcher ich 9 Enkel Kinder erlebt, davon mir 7 in die Ewigkeit vorangegangen sind.

So weit die sel. Schw: selbst.

Ihre Chor Schwn. thun noch folgendes hinzu-

Ano 1801 d: 10t Merz wurde sie Witwe, u. da sie schon vorher bey ihren l. Kindern wohnte, so behielten sie dieselben, u. sie diente so lang es ihre Kräfte erlaubten mit angelegentlicher treue, wo sie konnte.

Den stille<n> u. ununterbrochene Umgang mit dem ungesehenen Freund ihrer Seele, konnte man ihr deutlich abfühlen, ob sie gleich nie pflegte viel Worte davon zu machen–In allen schweren Prüfungen deren sie ihr reichliches Theil im Sterbensßleben zu erfahren hatte, lernte sie kindlich u. gläubig sich zum Hld: wenden, u. Ihn um Rath u. Beystand anrufen; Er hat sie auch (nach ihrer eigenen Erklärung) /// nie verlaßen u. ihr in allen Umständen gnädig beygestanden.  Das hat sich besonders in ihrer leyten Krankheit (die Schmerzhaft u. schwer war) bewiesen,  Da sie schon viele Jahre Rheumatische Schmerzen zu leiden hatte, so lernte sie auch viel Geduld dabey.  Voriges Jahr im Frühjahr fanden sich die Rheumatischen Beschwerden heftiger bey ihr ein, u. gesellten sich noch andre Zufälle zu denselben–so daß sie nicht mehr imstande war, mit der Gem: auf den Saal das H: Abendm: zu genießen, sondern es sich ins Haus bringen laßen mußte, das war wol schmerzlich für sie, doch tröstete sie die Nähe des l. Hlds: (die sie jedes mal bey dem Genuß fühlte, reichlich dafür.

<Im> Anfang dieses Jahres schien es, als würde sie nicht mehr lange hienieden seyn, u. da ihre Krankheit, welche in eine Maßersucht aus artete, merklich zunahm, so wünschte sie im Feb: zu ihrem Heimgang eingesegnet zu werden, u. man vollzog ihr verlangen, der Seegen der Gem: u. ihres Chors wurde ihr unter einem sel: Gefühl der Gegenwart Gottes ertheilt.  Sie wurde aber wieder beßer, u. hatte noch eine Geduld-Schule durchzustehen, wenn ihr der Muth entfallen wolle; so war ihr der tröstliche Zuspruch der sie Besuchenden sehr ermunternd, u. sie dankte jederzeit dafür, u. war dankbar für jeden ihr erwiesenen Dienst.  ///  Besonders beschämt erkannte sie es, daß sie ihre lieben Kinder mit so angelegentlicher treue u. Sorgfalt bedienten, u. wünschte ihnen den reichen Seegen des Hlds. dafür.–

Ihre Leiden erpreßten öfters den Seufzer von Ihr “Ach wie lang wird es noch mit <mir> werden..l. Hld. komm u. hol mich zu dir aus meinem Jammer!”

Dieser Wunsch wurde am 27t Jun: Abends erfüllt, da sie sanft u. seelig in die Arme ihres Erlösers überging. in einem Alter von 83 Jahre 7 M: 23 T:

Ihre Kinder thun noch folgendes hinzu:

Sie war unserm sel: Vater eine gute u. treue Mutter u. bewieß viel Liebe u. Geduld an Ihm, pflegte Ihn unermüdet in den 7 Jahren, da Er Blind war–eben so theilnehmend sorgte sie für ihre eigne u. ihre Stief-Kinder, der Heimgang ihrer Tochter (der Schw: Krause) that ihr schmerzlich wehe; u. sie wünschte sehnlich, daß sie an ihrer Stelle wäre.  Für das Gedeihen ihrer Enkel Kinder schickte sie manche seufzer zum l. Heiland.  Ihr Andenken wird uns ein Seegen u. unvergeßlich bleiben.

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s