Susanne Louise Partsch (1722-1795)

Personalien der sel.en Schw. Susanne Luise Partsch.

            Sie hat selbst folgendes von sich aufschreiben lassen.

            Ich war geboren 1722 d. 4ten. December in Büdingen in der Wetterau. 

Mein Vater war Johann Just Eller, Hof Schieferdecker, welcher aus der

Zeit ging, ehe ich geboren war.  Meine Mutter erzog mich bis ins 7te 

Jahr;  weil ich aber in der Zeit einen harten Stiefvater bekommen, so

wurde ich von der Büdingschen Herrschaft zu Amtmann Schuberts nach

Meerholz gegeben, bei welchen ich bis 1740 blieb.  In der Zeit zogen

Amtmann Schuberts auf die Ronneburg und ich mit ihnen. 

            Da der sel. Ordinarius mit seiner Gesellschaft dahin kam, wurde mir

gesagt, daß diese Leute den l. Gott lieb hätten;  ich wurde alsbald

durch ihren freundschaftlen. Umgang zutraul. zu ihnen und es war

mir so, zu den Leuten gehöre ich.  Ich wäre gern gleich mit ihnen

nach Herrnhut gegangen, meine Herrschaft wolte mich aber nicht

laßen.  Bald darauf kam ich nach Wächtersbach zum Regierungs-

Rath Schmidt, wo ich als Köchin diente.  1743 kam ich wieder auf

die Ronneburg, meine Mutter zu besuchen,  da wurde ich mit Geschw.

Vogts bekannt, welche daselbst wohnten; ich wurde aufs neue angefaßt

und von meinem verlornen Zustand überzeugt,  und der treue Heiland,

der von Jugend auf über mir gehalten, nahm sich meiner liebereich

an und gab nicht zu, daß ich in die Welt (deren Lustbarkeiten mir

gefielen) gerathen solte.  Mein Besuch währte 6 Wochen, in

welcher Zeit ich fleißig die Versammlungen auf dem Herrnhaag

und auch im led. Schwn Haus zum wahren Segen für mein Herz

besuchte, wurde auch in der Zeit in die Gem. aufgenommen und

gelangte mit derselben zum Genuß des Heilen AMhls. 

            In eben dem Jahr wurde ich mit meinem sel.en Mann Georg Partsch

verheirathet und reißte d. 26ten Augt. mit den übrigen nach

Pennsylvanien bestimmten Geschwrn von Marienborn ab, undkamen d. 6ten. Decemb: glückl. in Bethlm. und d. 2ten. Jan.r 1744.

in Nazareth an; wo wir 12 Jahre wohnten und in allerley Geschäften

gebraucht wurden.       D. 18ten November 1755 krigten wir einen Ruf

nach Gnadenhütten an der Mahony in der Brr. Wirtschaft, und

ich zwar als Köchin zu dienen.  D. 24ten November überfielen

die Indianer unser Haus, ich retirirte mich mit den übrigen Geschw.n 

oben ins Haus,  wie wir da waren, fiel mir ein, wir könnten uns

retten, wenn wir uns wagten zum Fenster hinaus zu springen;  ich

sagte meine Gedanken, worauf Sturtius es wagte und es gelang

ihm glückl.  Da wurde ich noch mehr gestärckt es auch zu wagen

und hinaus zu steigen;  ich mußte meine Füße auf das Fenster

sezen, wo die Indianer in eben der Stube alles zugrunde richteten,

aber ihre Augen wurden gehalten, daß sie mich nicht gewahr wurden; 

von da sprung ich auf die Erde und eilte in den Busch,  und da ich nicht

wuste, was ich thun solte (denn ich sahe die Indianer mit Feuer Bränden

von einem Haus zum andern laufen, sie alle in Brand zu stecken )

so bat ich den Heiland er solte mir doch wißen laßen wo ich hin solte,

da wurde mir so, an die Lecha zu gehen, wo ich einen hohlen Baum fand,

unter welchen ich mich bis den nächsten Morgen verkroch.  Früh

in der 9ten. Stunde sahe ich Soldaten über die Lecha kommen, von welchen

mich ein deutscher Mann erblickte, gleich zu mir kam und mich fragte

wie ich dahin gekommen wäre?  ich erwiederte: ich sey von dem zerstörten

Plaz hieher geflüchtet, weil er sahe, daß ich steif gefroren war, sezte

er mich auf sein Pferd und führten mich zurück zu den verbrannten

Häusern, wo ich bey dem Anblick der verbrannten Leichname in

Ohnmacht fiel, und sie mühe hatten mich wieder zurecht zu bringen;

ich bat die Soldaten mich nach Bethlehem zu bringen welches sie

versprachen;  wie wir aber nahe an den Busch kamen, begegneten wir zu meiner unaussprechl.en Freude meinem l. Mann und Sturtius,

die sich auch glückl. durch die Flucht gerettet hatten.  Mein Mann

bat mich wieder mit ihm zurück auf den zerstörten Plaz zu gehen,

welches ich that und nach schmerzl.er Besichtigung deßelben traten

wir unsre Reise zu Fuß nach Bethlehem an, wo wir d. 26ten. nachmittag

glückl. und unvermuthet zu aller Geschw. Freude ankamen, sie

dachten wir wären alle verbrannt.  Ich war sehr elend und hatte

eine schwere Krankheit aussteh auszustehen erholte mich aber wieder. 

1761. erhielten wir einen Ruf nach St. Thomas, welchen wir auch

annahmen.  Soweit sie selbst. 

            Sie blieben nur ein Jahr in Westindien und kamen wieder zurück

nach Bethlehem, wo ihr l. Mann 1765 selig heimging.  Ihre Ehe war

mit 6 Kindern gesegnet davon noch 3 Töchter am Leben,  von 2 ihrer

Töchter hat sie 5 Enkel Kinder erlebt davon noch 2 am Leben. 

Ihre jüngste Tochter befindet sich dermalen im Dienst des Heilands

in Westindien.  In ihrem Witwen Stande diente sie noch verschiedene

Jahre in der Gem. Küche.  1772 zog sie ins Chorhaus. 

            Sie kränkelte schon viele Jahre an der Auszehrung, worüber sie oft

ungeduldig wurde, und da sie von einer lebhaften Gemüthsart war,

und sie auch, seit geraumer Zeit ihr Gehör verlor, wurde sie manchmal

verdrießl.  Doch ließ sie sich wieder zurechte weisen und hielt

sich gläubig an den l. Heiland mit in der festen Hoffnung daß Er

sie bis in Seinen Arm und Schoos bey Sich erhalten wurde, und ihr

Stoßgebet war:  Nichts als Jesu Christi Gnade, nichts als Sein

Verdienst allein läßt mich arme sündge Made gut, gerecht und selig

seyn   D. 1ten. Febr. 1795 kam der von ihr sehnl. gewünschte

Tag, da der Heiland aller ihrer Noth ein Ende mir machte, und nachdem ihr der Segen der Gemeine und ihres Chores ertheilt worden,

entschlief sie ganz sanft.  Ihr Alter hat sie gebracht auf 73 Jahr

und zwei Monat.

 

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